THIS IS WATER IS WATER IS WATER
| Duc Pham
 
Hannover | DE – 2019

Opening | THIS IS WATER IS WATER  IS WATER by Duc Pham | 16.08.19 /  19°° / TURBA Gallery 

 

Pham, Minh Duc (*1991) ist Konzeptkünstler und Performer. Nach seinem Bachelorabschluss im Fachbereich Architektur schloss er sein Diplomstudium in den Fächern Ausstellungsgestaltung und Szenografie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung erfolgreich in Karlsruhe ab. Weiterhin absolvierte er ein Gaststudium an der Universität der Künste Berlin in den Bereichen Designtheorie sowie Performance Studies.

Seine künstlerische Praxis versteht sich als Auseinandersetzung mit Herkunft, Identität und Zugehörigkeit.
Mit dem Hintergrund seiner Ausbildung in den Bereichen Musik, Architektur und Bildender Kunst arbeitet er in Hinblick auf einen transdisziplinären Diskurs mit verschiedenen Medien. Die bewusste Wahrnehmung des Selbst sowie das reziproke Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sind essentielle Motive seiner Kunst. Dabei untersucht er Szenarien des Ungleichgewichts und Rekonvaleszenz auf die Wechselseitigkeit von Aktivitität und Passivität.

Phams künstlerischen Arbeiten und Performances wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowohl in China und Palästina, Island, Deutschland als auch Finnland ausgestellt. Außerdem war er Stipendienhalter des Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow, Künstlerhaus Lukas sowie KulturÖsterbotten.


Die künstlerische Arbeit ‚This is water is water is water’ ist eine raumgreifende, performative Installation, die sich den Themen Identität, Konformismus und (Im-)Permanenz widmet.
Sie besteht aus 286 verspiegelten, in ihrer Größe exponierten Puzzleteilen (ca. 25x25cm), die sich zuerst in Form von Haufen im Raum verteilen und im Laufe der Ausstellungszeit von den BesucherInnen zu größeren Flächen auf dem Boden zusammengesetzt werden können und potentiell den kompletten Ausstellungsraum okkupieren. Die Formgebung der Puzzleteile leitet sich von einer musischen Komposition ab, welche optional während der Ausstellungsdauer über Lautsprecher abgespielt werden kann.
Inspiriert durch Bertolt Brechts Theorie des Epischen Theaters versteht sich die Installation als Bühnenraum, der die BesucherInnen in ihrer Rolle als RezipientInnen befreit und zum ausführenden Element/ProtagonistIn aktiviert. Dabei greift die Installation auf das Prinzip des Puzzelns zurück. Sie wird einerseits im Moment des Zusammenfügens zu einer akustisch-sinnlichen Erfahrung und andererseits etabliert sich die Ambivalenz der Identitätsthematik in der Gegensätzlichkeit der glatten, kalten Oberflächenbeschaffenheit des Materials (zum konventionellen Pappmaterial) und dem haptischen, naiv-kindlichen Erlebnis, das sich beim Greifen der übergroßen Puzzleteile einstellt.

Mit einfachen, vertrauten Materialien (Spiegel, Puzzle) und einer reduzierten künstlerischen Sprache (Puzzlehaufen, Puzzleflächen) entsteht eine spontane, sich stetig wandelnde Spiegellandschaft innerhalb des Ausstellungsraum, in der sich die Bewegungsfiguren der BesucherInnen fortlaufend ihr anpassen müssen. Das kann potentiell dazu führen, dass jener Raum nur noch beschränkt oder gar nicht mehr begehbar ist und sich letztlich zu einer gesamteinheitlichen Skulptur erhebt.
Der kreative Prozess des Zusammenfügens und gleichzeitigen Reduzierens verstrickt sich unmittelbar mit dem des Beobachtens und Reflektierens zu einem wechselseitigen Akt des ständigen Flusses. Die permanente Dynamik und die ‚Verflüssigung der Dinge’ (Zygmunt Bauman) werden durch die Vernachlässigung eines dem Puzzle typischen hollistischen Bildes unterstrichen. Durch die Verspiegelung der Puzzleteile entzieht sich die Arbeit der Konvention eines fixen Motivs und lehnt durch seine modulare Struktur jene Sehnsucht nach Komplettierung ab. Stattdessen versteht sie sich als eine stetig reduzierende und wachsende Skulptur, die die Fragilität von Identität und Leben untersucht.

Die Puzzleteile werden durch eine Abbildung eines Himmelmotivs, welches an der Decke installiert wird, ergänzt. Das Streben nach Hyperrealität wird dabei durch die Haustechnik des Ausstellungsraums (Lampen, Feueralarm o.ä.) immer wieder durchbrochen und wirft, diametral zu Narziss’ Überführung zurück in die Natur, die BesucherInnen zurück in einen institutionellen, Privilegien behafteten Raum.

Kuratiert von Marlene Bart & Jean D. Sikiaridis – TURBA Gallery, Hannover

 

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